Legende

Erstmals ist die Legende über den Wallfahrtsort Heiligkreuz 1692 im Druck erschienen. Spätere Versionen bereicherten das Vorhandene mit zusätzlichen Elementen, woran sich die Gläubigen erbauen mochten. Die Wundersucht trug dazu bei, dass die Legenden zum beliebtesten Lesestoff wurden.

Die Heiligkreuz Legende erzählt, dass die heilige Helena auf dem Kalvarienberg nach dem Kreuz Christi graben liess, weil ihr Sohn, Konstantin der Grosse, dank diesem hilfreichen Zeichen im Jahr 312 siegreich war. Die Echtheitsprobe sorgte sogleich für ein weiteres Wunder, indem das wahre Kreuz Christi eine Tote wieder zum Leben erweckte.

 

Ein Soldat, der in Jerusalem die Wunderkraft des Kreuzes erfahren hatte, zog mit einem kleinen Stück davon ins Abendland zurück. Auf dem Heimweg rettete er dank der Reliquie seinen Begleiter vor dem angreifenden Drachen. Zu Hause im französischen Arras angelangt, verlangten die Landsleute einen Beweis für die Echtheit des angeblichen Kreuzpartikels. So wurde das kleine Holzstückchen einem ungestümen Ochsen zwischen die Hörner gebunden. Danach kam das Tier rheinaufwärts bis in unsere Gegend und liess sich schliesslich am Ort des heutigen Altares auf Heiligkreuz nieder.

 

Das deuteten die Entlebucher als Zeichen dafür, dass an dieser Stelle eine Kirche zu erbauen war, zumal sie in der Umgebung ein glänzendes Licht und Engelsgesang wahrnahmen. In der Folge siedelten sich Einsiedler an, die das Land kultivierten und dabei «unserem gecreutzigten Heyland in frommem Einsiedler Leben beyeinander gantz gottselig gedienet haben.» So sei, bemerkt die Legende, im Verlauf der Zeit der Wallfahrtsort Heiligkreuz entstanden, wo bisher viele Wunderzeichen geschehen seien.

Wen wunderts, dass eine solche Legende dem frommen Volk das Entstehen des Wallfahrtsortes verständlicher erklärte als historische Fakten, die längst vergessen waren?